TANJA VALÉRIEN - GESPRÄCHE ÜBER WANDLUNG donna Kooperation

TANJA VALÉRIEN - GESPRÄCHE ÜBER WANDLUNG donna Kooperation

Transkript

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00:00:03: Ich bin an den Achttausenden, ein anderer Mensch wie bei uns in den Alten.

00:00:07: Man kann von einem Toten besser Abschied nehmen wenn man ihn noch mal gesehen hat.

00:00:11: das war das Geschenk meines Lebens.

00:00:15: ich finde wirklich grundsätzlich in Deutschland dass Trauer beurteilt und verurteilen wird und da steht niemandem zu.

00:00:24: Das Leben geht einfach weiter ob man will oder nicht.

00:00:27: Ich begrüße Sie herzlich zu einer neuen Folge meines Podcasts, Tanja Valerien.

00:00:32: Gespräche über Wandlung in Kooperation mit dem Magazin Donner.

00:00:37: Heute bin ich zu Gast bei der Höhenbergsteigerin und Speakerin Alex von Melle im schönen Zuhause in Füssen am Fuße des Schloss Neuschwanstein.

00:00:48: Man kann sogar hier das Schloss sehen wenn man auf ihrem Balkon steht.

00:00:53: Hallo liebe Alex!

00:00:55: Danke Tanja Dass ich eingeladen worden bin zu deinem Podcast und dass du zu mir gekommen bist.

00:01:16: Deine Mutter, Jahrgang XXXIII stammt aus einer sehr musikinteressierten Bremer Juristenfamilie.

00:01:24: Wurde aber während des Krieges nach Kreut am Trägernsee und in den Kiemgau in die Schule geschickt.

00:01:32: Später wurde sie dann Berufsschullehrerin, spielte ganz intensiv Klavier und lernte deinen Vater in Bremen beim Hockey spielen kennen – also sportlich war sie auch!

00:01:44: Er ist in die traditionsreiche Lübecker-Kaufmannsfamilie von Melle hineingeboren.

00:01:53: Die haben international mit Wein gehandelt und dort hat er auch erst mal so eine Lehre gemacht, dann eine Groß- und Außenhandelsausbildung in Bremen.

00:02:04: Nach der Hochzeit arbeitete er dreißig Jahre lang als Vertriebler bei IBM in Hamburg, war ein ganz leidenschaftlicher Regattasegler handwerklich extrem geschickt und sehr exakt.

00:02:20: Da auch deine Mami wie gesagt sehr sportlich war, fröhlen sie mit euch Kindern immer wieder zum Skifahren in die Alpen.

00:02:28: Die Sommer habt ihr lange auf Sylt verbracht bis deine Eltern dann ein kleines Ferienhäuschen in Dänemark gemietet haben.

00:02:38: Von einer Hamburgerin erwartet man ja eigentlich nicht so unbedingt, dass sie eine erfolgreiche Alpinistin wird und bereits sieben-achttausender bestiegen hat.

00:02:50: Wann und wo ist denn diese Liebe und Leidenschaft für die Hohenberge bei dir eigentlich entfacht?

00:02:59: Gab es da so ein Schlüsselerlebnis und war das schon in deiner Jugend?

00:03:04: Also ich habe wirklich spät mit dem Bergsteigen angefangen, erst eigentlich zu der Studienzeit in München.

00:03:09: So ein bisschen war das Feuer vorher schon entfacht weil wir Kinder eben mit meinen drei Geschwistern ... Ein Kind, das dann in die Schule gekommen ist mit den Eltern zum Skifahren gehen.

00:03:21: In die alten zwei Wochen um das einfach einmal auszuprobieren weil das war dann einfach finanziell später auch nicht mehr möglich mit vier Kindern Skiurlaub zu machen.

00:03:28: aber jedes Kind hatte die Möglichkeit und ich habe dann wirklich das große Glück gehabt dass ich mit meinen beiden Cousinen da nochmal so mit zwölf dreizehn vierzehn glaube ich war.

00:03:37: das bin ich mit denen noch mal in den Ski-Urlaub gefahren Und da hab ich schon gemerkt, irgendwie die Berge.

00:03:43: Das taugt mir und mein Großvater war großer Wanderer also hat auch im Winter damals ja noch mit so Seehundfällen, die man unter die Touren skiegeklebt hatte der kleine Skitouren auch gemacht.

00:03:54: Ich habe schwarz-weiß Bilder von ihm in Gaggeln im Montafon beim Skifahren Mit meiner Mutter auch und meine Großeltern haben eben viel Urlaub wirklich auch in den Alpen gemacht natürlich überschaubare Wanderung Aber schon so dass es da auch ein bisschen Interesse war und ich war auch so ein richtiges Großelternkind.

00:04:11: Also ich war ganz viel bei meinen Großeldern in Bremen und ich glaube da ist eben ein bisschen was dann gekommen, dass ich schon so das Interesse für die Berge hatte.

00:04:21: Einschneidend war wirklich, weil du es eben auch erzählt hast von meiner Mutter als Bremerin.

00:04:26: Die war während des Krieges.

00:04:28: Also, der Jahrgang, dann war sie relativ klein, als der Krieg ausgebrochen ist aber dann kam ja schon die ersten Grundschuljahre.

00:04:36: Sie ist in Kreut am Tegernsee in die Grundschule gegangen und eine Zeit lang eben auch in Bergen im Kiemgau Und meine Mutter ist mit uns Kindern später immer mal an den Tegersee oder dahinter ins Tal nach Kreut gefahren.

00:04:49: Bergen-Kingor haben wir auch besucht.

00:04:51: Und sie hat uns eben gezeigt, wie sie da einen Teil des Krieges verbracht hat und für mich eine unglaublich schöne Kindheitserinnerung mit dem älteren Bruder, der knapp über mir ist die beiden anderen Geschwister.

00:05:05: Da ist ja ein weiter Altersunterschied mit diesem Philippe, der zwei Jahre älte als ich, in der Wolfsschluch zu spielen und mit Steinen an der Weissach zu spielen im Kräutertal.

00:05:15: Also das ist für mich eine unglaublich schöne Kindheitsinnerung und deswegen glaube ich schon, dass so ein bisschen Begeisterung für Berge oder Interesse da war.

00:05:24: und mein großes Glück war dann aber einfach im Studium in München was es dort die Alpenverein-Sektion gab, München Oberland, da bin ich beigetreten.

00:05:32: Dann gab's ein unglaublich tolles Programm für die Studenten der Hochschulsport in München, der zentrale Hochschul-Sport ZHS.

00:05:40: Und da habe ich eigentlich alles mitgemacht an Kursen, Ski-Tun-Kurse, Kletterkurse – aber da war ich natürlich noch weit vom Hühnbergsteigen entfernt!

00:05:48: Hatte zu dem Zeitpunkt also auch viel als Studentin natürlich das Geld, aber für mich war es schon ein Geschenk einfach, die Alpen vor der Haustür zu haben.

00:05:57: In Dänemark haben wir eben immer unseren Sommerurlaub verbracht in einer einfachen Holzhütte Blockhaus und Nichts mit Bergen oder Bergsteigen.

00:06:05: Und das kam wirklich dann im Studium, aber eher da auch das Bergsteig in den Alpen.

00:06:10: Weil natürlich durch die Sektion München Oberland, durch die ZHS, durch den Unisport war ja ... Die Alpen waren ja Spielwiese vor der Haustür!

00:06:19: Also ich hab zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht dran gedacht dass ich irgendwann mal weltweit an Hohenbergen unterwegs bin.

00:06:27: Hat deine Mami überhaupt mit dir Oder euch Kindern über den Krieg gesprochen oder dein Vater, war das ein Thema?

00:06:39: Ich

00:06:39: war als Jugendliche sehr interessiert an der Geschichte vom Zweiten Weltkrieg.

00:06:44: Hab auch immer wieder Möglichkeiten wahrgenommen wenn es irgendwo Museen anzuschauen gab oder Konzentrationslager eben auch mit... der Schulklasse, wo wir Besichtigung auch gemacht haben.

00:06:55: Also ich war da sehr interessiert und meine Mutter hat das sehr offen mit uns drüber gesprochen.

00:07:00: Mit meinem Vater weniger hing aber natürlich auch ein bisschen zeitlich zusammen dass einfach der Vater die Woche über gearbeitet hat in Hamburg von früh bis spät und nur am Wochenende da waren und dann sind eben vier Kinder da gewesen und nicht nur eins.

00:07:14: Aber Ich habe ganz viel von meiner Mutter eigentlich über den zweiten Weltkrieg eben auch gehört oder auch so eine Geschichte wie sie erzählt hat, wie die Amerikaner dann mit den Panzern durch Bremen gefahren sind und an die Kinder eben Süßigkeiten rausgeschossen

00:07:28: haben.

00:07:28: Da habt meine Mutter auch erzählt!

00:07:29: Genau.

00:07:29: also das sind schon prägende Erlebnisse für mich gewesen oder?

00:07:32: Und deine Großeltern?

00:07:35: Weil die waren wahrscheinlich, nehm ich an.

00:07:37: War dein Großvater Soldat?

00:07:39: Genau eigentlich ja aber der hat eine sehr große schwere Magen-OP gehabt und war dann nicht mehr tauglich und hat eben gearbeitet als Jurist in Bremen Und meine Großmutter war mit den Kindern eine Zeit lang auch am Tegernsee im Kiemgau Also von den Großeltern gar nicht so viel.

00:07:56: Aber mit meiner Mutter habe ich tatsächlich ganz viel über einen zweiten Weltkrieg gesprochen weil bei mir einfach dieses geschichtliche Interesse auch so groß war.

00:08:04: Deine Kindheit war ja überhaupt sehr behütet, sehr liebevoll.

00:08:09: Die Musik hat viel Raum eingenommen.

00:08:13: Du hast intensiv Geige gespielt und warst später sogar in einem Orchester.

00:08:18: Nebenbei hast du auch gefechtet – also ein bisschen Sport musste sein!

00:08:23: Teenager-Alter waren also die Partys, die Mode.

00:08:27: Die Jungs nicht ganz so interessant für dich sondern eher so die Treffen mit deinen Freundinnen.

00:08:35: Ihr habt dann zusammen gekocht... T-Zerebonien gemacht, Fitnessbetrieben.

00:08:41: Nebenbei hast du so in einem Hamburger Laden Klubetrotter, den kennt man heute auch in München gearbeitet und auch in einer Fahrschule.

00:08:51: Und in dieser Fahrschulle als du dann eben schon ein bisschen älter warst, hast du ganz neue Leute kennengelernt und mit achtzehnd an deinen Motorradführerschein gemacht und wurdest so eine richtige Rockerlady!

00:09:04: die dann auch am Wochenende mit diesem neuen Freundeskreis auf Motorradtouren gegangen ist.

00:09:10: Und endlich hast du auch so ein bisschen angefangen, zumindest mit dem Flirten!

00:09:17: Mit deinem Leistungskurs Physik und Deutsch hast du, deiner Abbie gemacht, in München einen Platz für das Medizinstudium bekommen.

00:09:33: Das hast du dann aber nach zwei Semestern wieder an den Nagel gehängt und mit Geografie weitergemacht.

00:09:41: Was war das denn?

00:09:42: Hast du da, weil du eben einen guten Schnitt hattest einfach gedacht okay dann muss man Medizin studieren oder hat dich das irgendwie wirklich interessiert?

00:09:53: Also es waren zwei Sachen tatsächlich.

00:09:55: Ich hatte damals schon die Idee, dass ich mir das gut vorstellen konnte Kinderärzen zu werden.

00:10:00: und es war aber das zweite wirklich dabei, dass damals es wahnsinnig schwierig war ein Medizinstudiumplatz zu kriegen.

00:10:07: und ich habe mich dann vorbereitet mit diesem Mediziner-Test und dann war ja diese zentrale Vergabestelle und dann hab' ich eben wirklich einen Platz bekommen aus Kombination eben von diesen Medizinetests plus Abitursdurchschnitt.

00:10:23: Das ist jetzt ein Geschenk, das zu kriegen.

00:10:25: Ich probiere es

00:10:26: aus.".

00:10:26: Ich war mir vorher nicht hundertprozent sicher, aber so diese Idee mal Richtung Kinderärztin war schon da und dann habe ich einfach diesen Platz gekriegt in München und hab gedacht, ich muss es probieren.

00:10:36: Aber dann kamen mehrere Sachen zusammen – ich habe tatsächlich eine ziemliche Allergie gegen ... Infektionsmittel-Sterilium entwickelt.

00:10:46: Also nicht Sterilium als Herstellerfirma, sondern was man eben im Krankenhaus ... Weil ich dann einen Praktikum im Kinderkrankenhaus gemacht habe und da hab' ich eine Irrsinn hier in der Allergie entwickelt gegen dieses Sterilum.

00:10:59: Dann kamen ja schon die Berge im ersten zweiten Semester und ich hab gemerkt, also Medizin ist ein anspruchsvolles Studium definitiv Und dann kam eben diese Allergie auch dazu.

00:11:14: Habe ich irgendwie gemerkt, das ist nicht mein Weg und dann habe ich es nach zwei Semestern aufgehört.

00:11:18: aber ich wollte es einfach probieren weil ich diesen Studienplatz bekommen hab.

00:11:23: und dann dachte ich muss sie's probieren!

00:11:25: Warum die Geografie?

00:11:27: Ich hatte Geographie als Hauptfach dann und Geologie und Physik als Nebenfach und das kam wieder ein bisschen so aus der Schulzeit damals ja schon Physik als Leistungskurs gehabt und hätte eigentlich gerne Geografie, also Erdkunde im Schulfach genannt auch als Leistungskurs genommen.

00:11:43: Also es hat mich schon sehr interessiert aber das gab's damals bei uns an der Schule nicht oder ist nicht zustande gekommen und dann habe ich irgendwie eben gedacht mit diesem Wechsel.

00:11:52: Es war mir einfach dann wirklich aber auch wichtig im zweiten Gang ein Studium zu Ende zu bringen.

00:11:56: was sind meine Interessen?

00:11:57: Und ich muss wirklich sagen dieses Geografiestudium war total am Arbeitsmarkt vorbei Aber es war eine unglaublich gute Zeit.

00:12:05: Also ich habe wirklich dieses Fach gerne studiert mit Begeisterung, mit Interesse.

00:12:10: Wir haben tolle Exkursionen gemacht im Alpenraum In der Britannien waren wir in Frankreich aber auch deutschlandweit.

00:12:17: also das war ein ganz ganz tolles Studium Aber es

00:12:20: gibt

00:12:21: einfach oder gab damals auch ganz wenige die dann wirklich als Geografen gearbeitet haben.

00:12:26: Du hast ja schon gesagt, dass du dich dann beim Alpenverein angeschlossen hast in München also Mitglied geworden bist.

00:12:33: Du hast auch bei diesem Expeditionsservice derer gejobbt.

00:12:38: Hast dann über die Uni da die Ski-Touren und die Kletterkurse gemacht.

00:12:43: Und die Berge haben so viel Raum eingenommen das du mit dem Geigespielen aufgehört hast.

00:12:50: Warum denn eigentlich?

00:12:53: einfach mal so ein bisschen weiter nebenbei spielen können.

00:12:57: Oder bist du nicht die Frau für nebenbei?

00:13:01: Also tatsächlich zieht sich so durch mein Leben, wenn ich was mache, dann mach' es richtig!

00:13:06: und konzentriere mich auch voll drauf.

00:13:07: Und dazu kam, dass ich im Bereich so als ich Abitur gemacht habe – auch mit dem Orchester und mit dem Geigenlehrer hab' ich einen relativ hohes Niveau gehabt vom Geige-Spielen her!

00:13:17: Wenn man mal dieses Niveaux hatte….

00:13:19: Ich hab damals wirklich auch jeden Tag zwei Stunden Geige geübt... …und dann hast du plötzlich ein Studium wo du vielleicht nur noch dreimal die Woche zum Üben kommst, dann merkst du natürlich auch wie's bergab geht.

00:13:29: Das ist wie mit dem Klettern und ich hatte einfach eben diesen hohen Anspruch dann auch mich an mich und den habe ich immer noch in vielen Dingen im Leben dass ich damals gemerkt hab.

00:13:40: das passt nicht mehr zusammen.

00:13:41: also dieses nebenbei so ein bisschen üben und irgendwie merken man wird eigentlich schlechter und die Zeit fehlt.

00:13:47: aber und gleichzeitig will man in die Berge.

00:13:53: Diese Schulzeit mit der Musik war total prägend.

00:13:56: Ich möchte nichts missen, ich habe tolle Freundschaften geschlossen, ich hab tolle Orchesterreisen mitmachen dürfen... tolle Konzerte gegeben, aber das war dann eben diese Schulzeit.

00:14:07: Und dann kam eben die Motorrad-Zeit und auch das Motorradfahren habe ich dann ja wieder aufgegeben als es mit dem Berg Sport losging.

00:14:13: also Ich bin heute noch jemand.

00:14:16: multitasking ist nicht meine Stärke.

00:14:17: Also ich kann mich gut auf eine Sache konzentrieren und die versuche ich so gut wie möglich zu machen Aber ich kann nicht tausend Sachen gleichzeitig machen.

00:14:25: Würdest du sagen Du bist eine Perfektionistin?

00:14:29: Absolut!

00:14:30: Als Sternzeichen jung Frau supergut aus mit Sternzeichen, aber es gibt ja schon so ein bisschen die klassischen Eigenschaften und der Perfektionismus gehört zur Jungfrau dazu.

00:14:42: Und das bin ich definitiv!

00:14:45: Mit deiner Bergsportklicke hast du dann jede Minute eigentlich in den Alpen verbracht.

00:14:53: Hier und da hast du auch mal eine kleine Leson mit einem Studenten gehabt – aber es war nie so.

00:15:00: die ganz große Liebe dabei.

00:15:03: Bist du dann, bei einer Siedurchquerung von Hütte zu Hüthe mit anderen Studenten erstmals dem drei Jahre älteren Bergführer Anwerter Louis Stitzinger hier aus Füssen begegnet bist?

00:15:17: Der die Tour damals leitete.

00:15:20: Du hast ein Jahr später noch mal eine Sied Durchquerung gemacht und da hat es dich entgültig richtig erwischt!

00:15:28: Du warst total verliebt aber du musst ... dich schon noch ein bisschen gedulden.

00:15:33: Nämlich nochmal ein weiteres Jahr, weil der bis nicht sofort an und im September eighto neunzig kam dir dann endlich zusammen und er wurde deine große Liebe.

00:15:48: Zwei Jahre später seid ihr zusammengezogen und habt ... ... es dauert ein bisschen.

00:15:56: Ich hab schon immer gedacht, meine drei-Jahre-Wartezeit bei meinem Mann wäre lang aber du musst das dreizehnjahre warten um zu heiraten oder um geheiratet zu werden also... Was hat dich denn damals bei diesen ersten Begegnungen?

00:16:20: und hat ihr jemals erzählt, warum er so lange bis zum ersten Kuss gezögert hat?

00:16:28: Also wir haben glaube ich beide ein bisschen Zeit gebraucht uns zu beschnuppern.

00:16:32: Und uns kennenzulernen.

00:16:34: aber tatsächlich am Anfang war es auch so dass Louis noch eine Freundin hatte damals als ich ihn kennengelernt habe.

00:16:40: und bei mir war's jetzt auch nicht lieber auf den ersten Blick.

00:16:44: Ich habe einfach tolle Erinnerungen an diese zwei Ski-Durchquerung mit ihm.

00:16:47: Mich hat seine Begeisterung und präzise Arbeit als Bergführer die Begeistung für die Berge, und diese präzieße Arbeit als Bergführer absolut beeindruckt.

00:17:01: Und ich muss dazu sagen der Louis ist klein also er ist deutlich kleiner gewesen als ich mit ein Meter zweiundsechzig oder ich glaube nur einen Meter sechzig.

00:17:11: Das ist ja vielleicht auch für einen Mann nicht immer ganz einfach.

00:17:17: Der war so Profi als Bergführer, das war völlig egal ob er ein Riesenkerl ist was man sich manchmal bei einem Bergführern irgendwie vorstellt groß und muskulös.

00:17:26: Muskulöse waren aber eben die Muskeln von einzig auf ein sechzig komprimiert.

00:17:30: Und mich hat das so beeindruckt wie er so unscheinbar eigentlich da aufgetreten ist bei diesen Skidurchquerungen und dann so absolut professionell geführt hat.

00:17:40: Und ich habe aber gemerkt, also ich wusste ja am Anfang auch noch nicht.

00:17:42: Als ich so bei mir schon gemerkt hab, wer würde mir gefallen?

00:17:45: Wusste ich erst mal noch nicht ob er eigentlich eine Freundin hat oder nicht.

00:17:49: und dann habe ich aber auch gedacht der lebt für die Berge, der hat überhaupt gar keine Zeit für ne Freundin.

00:17:54: Also ich habe eigentlich erstmal ... die Füße stillgehalten, weil ich dachte da hast du gar keine Chance.

00:18:00: Und dann hat sich es irgendwie so ergeben, dann hatte er eben sich getrennt.

00:18:03: und das ist ja auch immer gut finde ich wenn nach einer Trennung erstmal man wieder ein bisschen zu sich kommt und nicht sofort in die nächste Beziehung stolpert.

00:18:12: also... Ich habe das natürlich da auch nicht mit gekriegt, weil wir gar nicht so engen Kontakt hatten.

00:18:16: aber Wir haben uns immer mal gesehen auch beim Bouldern dann im Hochschulsport relativ regelmäßig.

00:18:22: und Ja Geduld ist überhaupt nicht meine Stärke.

00:18:26: Aber da hat sich's ausgezahlt, dass ich geduldig geblieben bin.

00:18:30: Und er hat da hier darüber geredet, wie es ihm gegangen ist mit dir?

00:18:34: Genau.

00:18:35: Wir haben dann eben mal später so drüber gesprochen und es war eigentlich ein bisschen so, wie ich's gefühlt hab oder jetzt auch schon erzählt hatte.

00:18:42: zu Beginn hatte er noch die Freundin, dass er erst mal Zeit für sich brauchte.

00:18:47: Dann war natürlich auch Staatsexamen-Lehramt Bergführerausbildung.

00:18:52: Er war ja zunächst noch Anwärter also das waren einfach viele Dinge, fertig bringen wollte oder beenden wollte, mit dem Abschluss an der Uni.

00:19:04: Mit der Prüfung zum staatlich geprüften Bergführer und dann kam es irgendwie wie das ja oft so im Leben ist dass man dann auch wieder ein bisschen Zeit hat irgendwie die Augen auf zu haben für eine andere Frau.

00:19:16: Das kann ich ja gar nicht verstehen.

00:19:18: also Ich finde die Liebe wenn sie einen zieht in dein Herz so toll findest und verliebt ist, dann wär mir völlig wurscht ob ich jetzt noch eine Examen machen muss oder ob ich Zeit habe oder nicht.

00:19:32: Aber ich bin Fische-Sternzeichen die sind anders.

00:19:35: Die stürzen sich gleich eben in alles rein.

00:19:38: was war er eigentlich wenn Sternzeichen?

00:19:40: Lüse

00:19:40: ist im Dezember geboren und da müssen sie überlegen Schütze ist er genau.

00:19:44: Ich hatte gerade mit Skorpion überlegt das stimmt

00:19:45: aber nicht.

00:19:45: Wie viel?

00:19:46: Ähm,

00:19:47: sechzehnta zwölf da.

00:19:48: Ja dann ist er schützer.

00:19:49: Ja, mein Sohn.

00:19:53: die eigentlich keine Feinde haben, sagt man.

00:19:56: Meine Tante war Astrologin, insofern interessiere ich mich ein bisschen

00:20:00: dafür.".

00:20:02: Du hast ja dann fünf Jahre lang Geografie studiert, hast dein Diplom, Achtundneunzig gemacht, hast auch mal einen Praktikum bei der Lawinen-Warnzentrale gemacht und eines bei der Wild- und Lawinenverbauung.

00:20:18: Irgendwann wurde dir aber klar, dass es so ein bisschen schwer wird als Geografin einen wirklich guten Job zu bekommen.

00:20:26: Und so hast du in Mönchien in der Geschäftsführung für die schwedische Outdoor-Marke Fjällräven angefangen und ab bis zum Jahrzehntelang für den Deutschen Alpeverein die Geschäftsstelle des Kletterfachverbandes Bayern geleitet.

00:20:48: Dort lag so dein Fokus auf der Förderung des Klettersports, der Kletterwettkämpfe.

00:20:54: Dann hast du auch mal Wettkämpfen organisiert, Fördergelder verwaltet und von zehntausend elf bis zweitausend neunzehn warst du dann Presseschäferin bei Globetrotter also bei dem Laden als er bei dem Einzelhandel Wo du mal deinen Praktikum oder wo du mal gejobbt hast, so war es eigentlich.

00:21:15: Als Schülerin glaube ich noch?

00:21:18: Oder Studentin?

00:21:18: Ja genau!

00:21:19: Nee, Schülerin warst du sogar noch und dann hast du dich in die Selbstständigkeit gegeben, bist heute immer noch selbständig... Und dein Mann Louise hat bis zum Jahr zeigendzehn ebenfalls eine Festanstaltung beim alten Verein in der Sektion Oberland gehabt und führte zudem als Bergführer die Gruppenexpeditionen des Summit-Clubs.

00:21:43: Und, als er in deiner Zeit mit ihr zusammenkam, hatte er dir einige Monate später schon angeboten, dass du doch mal mitkommen sollst.

00:21:54: Während also die Gruppe mit dem Summit Club so begleitet hat und geführt hat ging es eben nach Chile und nach Argentinien ... Und du hast aber am Anfang diese Unternehmungen in die Berge ferner Länder eigentlich fast so ein bisschen albern empfunden.

00:22:12: Du hast gedacht, wir haben doch hier die Alpen direkt vor der Haustüre.

00:22:17: was muss man jetzt um die ganze Welt fliegen?

00:22:19: Aber weil du ja so verliebt warst bist du trotzdem mit geflogen!

00:22:23: Welche Erfahrungen aus dieser ersten Expedition deines Lebens War denn da eigentlich die Prägenste?

00:22:34: Also ich habe das erste Mal wirklich so im Zelt länger geschlafen.

00:22:37: Basislager, Hochlagernächte und ich war natürlich sehr gespannt wie ich die Höhe vertragen würde weil der Akkon-Kargore ja knapp sieben tausend Meter hoch ist.

00:22:46: Das ist jetzt technisch ein einfacher Berg aber es ist einfach die Höher.

00:22:50: man muss sich akklimatisieren und man spürt dann eben auch verträgt man die Höhen nicht oder nicht?

00:22:56: Wie hoch?

00:22:56: Also ich kenne jetzt die Berge alle nicht

00:22:59: so.

00:22:59: Der Akron-Kage ist knapp siebentausend Meter hoch, genau und da muss man sich schon... Das ist schon was!

00:23:04: Genau.

00:23:04: also wenn man bis dahin wie ich eben mit den Alpen unterwegs war an viertausenden dann ist das einfach schon ein ordentlicher Sprung.

00:23:10: Und das war für mich natürlich total spannend das auszuprobieren, wie ich die Höhe vertrage und dann waren es eigentlich zwei Dinge, die ich somit nach Hause genommen habe.

00:23:21: habe ich wirklich die Höhe sehr gut vertragen und auch später bei den Achttausenden Expeditionen hab' ich mich da leicht getan mit der Höhe, mit der dünnen Luft in Anführungsstrichen.

00:23:31: Und das zweite was ganz spannend war, was ich eben vorher auch nie gedacht

00:23:34: hab',

00:23:35: war dass ich doch dann das Interesse an so fremden Ländern eben hatte.

00:23:39: also mir waren wirklich bis dahin die Alpen genügend Spielwiese vor der Haustür von München oder Umgebung weg doch diese fremden Länder kennenzulernen.

00:23:49: Und dann war es eigentlich so nach dieser ersten Expedition, dass ich zu Luis gesagt habe, ich würde so gerne mal nach Peru ... Was für ein Berg gibt's da?

00:23:59: Welchen Berg können wir besteigen?

00:24:00: Dass man das mitten drin als Ziel hat von der Reise aber drumherum eben auch das Land kennenlernen.

00:24:05: Also du hast Blut geleckt.

00:24:07: Ich hab richtig gelegt!

00:24:08: Deine Leidenschaft war einmal on fire und du hast ja sicherlich auch deinen Freund, also dein Louis dort ein bisschen besser kennengelernt.

00:24:18: Weil das ist ja vielleicht so ein bisschen wie auf einem Segelboot... Da kommt man sich ja nicht mehr aus!

00:24:23: Die Privatsphäre auf Expeditionen ist so groß wie die Isomatte.

00:24:27: Also das ist schon eng und das war wirklich auch eine Erkenntnis für die ich absolut dankbar bin.

00:24:33: wir haben perfekt harmoniert.

00:24:36: Wenn wir mal gestritten haben, haben wir zu Hause gestriten.

00:24:38: Aber auf Expedition waren wir einfach das perfekte Team in kleinem Raum im Zelt.

00:24:44: also wir haben wirklich das Leben auf den Expeditionen gefeiert.

00:24:48: und wolltest du dann eigentlich als du gesehen hast welche Berufung er da ausübt auch gerne Bergführerin werden?

00:24:57: Ich hatte das tatsächlich im Moment überlegt Und ich wusste aber, dass sich dafür hätte auch noch technisch hart trainieren müssen.

00:25:05: Das hat sich dann einfach mit dem Beginn des Expeditionsbergsteigens gebissen.

00:25:09: also da waren wir schon so drin jedes Jahr auf Expedition und Ich war Feuer und Flamme die Länder kennenzulernen Und wie so oft mir hat dann einfach die Zeit gefehlt, gleichzeitig noch wirklich hart zu trainieren um eben diese Bergführerausbildung umzusetzen.

00:25:23: Ich habe tatsächlich beim München Oberland bei der DHV-Sektion in München hab ich dann die Ausbildungsfachübungsleiter Skihochtouren gemacht und habe eben auch immer wieder im Winter geführt.

00:25:33: also eine Ausbildung habe ich da schon gemacht aber ich bin eben keine Bergführerin mehr geworden.

00:25:39: Ja und seit dieser ersten Reise bist du ja dann mit Louis immer wieder auf Expeditionen, aber eben auch in Begleitung mit dem Summit Club.

00:25:50: Also seid dann meistens nachher noch ein bisschen länger geblieben, habt dann eure eigenen Touren gemacht.

00:25:55: ihr wart in China, Peru, Alaska, Nepal... Und sechs Mal wart ihr gemeinsam auf sieben Tausendern unterwegs Und in der Branche wurde man plötzlich aufmerksam auf dich, weil du einen Achttausender im Grenzgebiet zwischen China und Pakistan ohne künstlichen Sauerstoff bezwungen hattest.

00:26:21: Und später wurdest du dann weltbekannt da mit sieben Achttausendern du lange die erfolgreichste deutsche Höhenbergsteigerin warst Also noch gar nicht so lange her, wurdest du von Anja Blacher überholt.

00:26:37: Die hat inzwischen dreizehn Achttausender geschafft und die erfolgreichste Frau der Welt ist die Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner, die eben alle vierzehn Aachtausende ohne künstlichen Sauerstoff erreicht hat.

00:26:52: Viele davon an der Seite ihres damaligen Ehemanns dem Extremberg-Steiger Ralf Dumowicz war ... Bei deinen Sieben, achtausender Besteigung.

00:27:04: Denn dein Mann Louis auch immer dein Kletterpartner also immer an deiner Seite.

00:27:10: Also von den sieben, acht Tausendern die ich bestiegen habe hab ich tatsächlich sechs mit Luis zusammen bestiegen wo wir auch zusammen am Gipfel waren und Den einen fehlenden habe ich mit einem anderen Kollegen von Luis Bestiegen.

00:27:22: das hatte sich damals zu ergeben weil Luis eben am Chouyous schon geführt hatte Und nicht noch mal mitkommen wollte weil ich da gerne hin wollte bin ich da eben mit dem Robert Tower hingefahren, den wird zu dem Zeitpunkt auch schon gut kannten.

00:27:34: Und das war für mich eine wertvolle Erfahrung um einfach auch zu sehen ob ich dass auch ohne Luis kann und natürlich ist es viel schöner das mit dem Lieblingsmenschen zusammenzumachen.

00:27:43: aber es war wirklich eine gute Erfahrung dass sich das auch alles mit Zeltaufstellen kochen im Zelt Schneeschmelzen dass ich das auch alle ohne Luis hin kriege.

00:27:52: Aber tatsächlich haben wir einfach gemerkt Es ist am schönsten zu zweit.

00:27:57: Und oft war es eben so, dass er geführt hat eine kommerzielle Gruppe wo ich mitgefahren bin.

00:28:02: das war natürlich auch lange ein finanzielles Thema sonst wäre das gar nicht gegangen.

00:28:07: also wir haben oder er hat dann eben gesagt mir ist es so wichtig dass du mit dabei bist dass sich einen Teil meines Bergführer Gehaltes eben in deine Mitreisestecke und dann waren meine Kosten eben ein bisschen günstiger und dann haben wir eben auf die Zeit verlängert zu zweit dran gehängt.

00:28:22: Aber wir haben auch Expeditionen ganz privat gemacht, also Mount McKinlay waren wir zu dritt mit einem Freund, mit dem Rupert Hauer, mit den österreichischen Bergführerkollegenden, die ich gerade schon angesprochen habe.

00:28:32: Waren wir dann noch mal zusammen am Daulagiri unterwegs und zu dritte ganz privat auch an der Chisha

00:28:39: Pangma

00:28:40: Und am Broad Peak war ich dann mit Luis alleine am Gipfel ohne Gruppe.

00:28:43: Also ich würde sagen so hälftehälfte dass er kommerziell geführt hat und die andere Hälfte an Expedition haben wir privat gemacht.

00:28:50: Vielleicht muss man an dieser Stelle den Hörer noch mal kurz erklären, was genau das Besondere oder die Herausforderung an einer Gipfelbesteigung ist wenn man das ohne künstlichen Sauerstoff macht.

00:29:03: Also ich rede von den Achttausender oder vielleicht schon den Siebentausendern und wie hoch auch das Risiko ist also neben den Lawinen, dem Eis und den Feldstürzen dabei eben auch ums Leben zu kommen.

00:29:17: Dein Mann hat bei seinen Führungen als Profi-Bergführer, zum Beispiel am Mount Everest immer natürlich mit künstlichem Sauerstoff gearbeitet.

00:29:26: Auch die Expeditionsteilnehmer haben da immer Sauerstoffs.

00:29:30: Also vielleicht wissen das jetzt die Hörer, die nicht so im Berg steigen drinstecken?

00:29:35: Nicht ganz so genau wo genau dieser Unterschied ist.

00:29:41: und dann kommt auch noch dazu – das würde ich gerne nochmal kurz, dass du das erklärst

00:29:46: die kosten.

00:29:48: Also irgendwie habe ich mal gelesen, wenn man so auf Amount Everest will kann das schnell mal hunderttausend Euro kosten?

00:29:54: Ich weiß nicht ob das stimmt aber das ist ja alles ein teures Luxusunternehmen.

00:30:04: Also, wie kannst du das kurz nochmal so ein bisschen erklären?

00:30:07: Dass man das besser versteht.

00:30:09: Also erst mal zum Thema Sauerstoff.

00:30:11: tatsächlich kann man sagen dass man einen Achttausender wenn man den mit Verwendung von künstlichem Sauerstof besteigt, dass man ihn eigentlich zu einem Sechstausender degradiert.

00:30:20: also man hat in Anführungsstrichen mehr Luft zum Atmen.

00:30:24: Es stimmt eigentlich so nicht ganz exakt.

00:30:26: Man sagt, mit der Höhe nimmt der Sauerstoff-Patialdruck ab und auf Everesthöhe ist es eben nur noch ein Drittel dieses Sauerstoffspatialdrucks wie auf Meereshöhe.

00:30:36: Aber man kann sich so vorstellen einen Achttausender mit künstlichem Sauerstock bestiegen ist so wenn man einen Sechstauser besteigen würde.

00:30:43: das zweite Thema ist dass man viel mehr Wärme quasi zur Verfügung hat.

00:30:47: also man hat ja immer die Probleme so mit Erfrierung kalte Finger kalte Füße kalte Nase künstlichen Sauerstoff, da hat man einfach im Körper auch mehr Wärme.

00:30:58: Ich will das gar nicht schlechtreden.

00:31:00: ich denke, dass muss jeder für sich entscheiden wie man geht mit oder ohne.

00:31:05: Luis und ich waren Profi Bergsteiger und als Profi Bergsteiger geht man nicht mit künstlichem Sauerstoffs.

00:31:09: Da macht man es bei Vermins und wir wollten das ja auch.

00:31:12: Wir wollten das aus eigener Kraft schaffen!

00:31:15: Und die einzige Ausnahme war eben bei Luis die Führung am Mount Everest wo er einfach für seine Kunden da sein musste zu Und das geht dann nur, wenn er dort Sauerstoff nimmt.

00:31:29: Also das mal zu dem Thema und wir haben das eben immer ohne gemacht und haben gesagt ... Wenn es ohne Sauerstoffs nicht geht, drehen wir um.

00:31:35: Dann schaffen wir es eben nicht.

00:31:37: Das Zweite sind tatsächlich die Kosten.

00:31:39: Früher haben wir eigentlich in Vorträgen immer gesagt, weil die Frage natürlich auch immer kamen ein Berg kostet ungefähr so viel wie Erhöhe hat.

00:31:48: Ein Achttausender kostet so acht Tausend Euro.

00:31:51: ziemlich lange gut gepasst.

00:31:54: Die Kosten sind inzwischen explodiert, also die Permits sind teurer geworden diese Besteigungspermits, die man eben braucht um einen Berg zu besteigen.

00:32:02: Die Flugkosten sind höher geworden wenn ich das jetzt sehe vor Corona nach Corona.

00:32:06: vorher sind wir nach Nepal für unter siebenhundert Euro oder achthundert euro geflogen.

00:32:11: Inzwischen ist halt mal eigentlich fast das Doppelte zwölf, dreizehnhundert Euro.

00:32:15: Also alles ist teurer geworden und deswegen kommt man längst nicht mehr damit aus irgendwie achttausend Euro für ein Achttausender zu besteigen.

00:32:22: Und dann kommt natürlich dazu was man als Support dazukauft.

00:32:27: geht man am Everest mit künstlichem Sauerstoff hat man einen persönlichen Climbing-Schärfer dabei, vielleicht noch einen Bergführer dabei.

00:32:36: Nur für sich oder die Gruppe.

00:32:38: Also da gibt es alle Möglichkeiten.

00:32:40: das entscheidet einfach jeder für sich.

00:32:42: deswegen will ich eben auch dieses Thema Sauerstoff jetzt nicht grundsätzlich sagen wer Sauerstoffs am Everest benutzt hat den Berg nicht gestiegen.

00:32:50: das würde ich so nicht sagen, weil das muss einfach jeder für sich entscheiden.

00:32:54: Aber das sind eben diese Punkte die dann in so Kosten mit rein spielen und tatsächlich kann man inzwischen bis zu zweiehunderttausend Euro für Mount Everest

00:33:01: ausgeben.

00:33:03: Also volle Bandbreite...

00:33:05: Ja aber wie siehst du das?

00:33:08: Jetzt reden wir mal gar nicht davon dass jemand auf den Berg einfach will.

00:33:13: Und dann sagt er okay, ich mach's halt.

00:33:15: dann natürlich weil ich Angst vorm Sterben habe, weil ich angst vor allen möglichen habe oder ich schaffs vielleicht gar nicht mache es mit künstlichem Sauerstoff.

00:33:24: aber ist der künstliche Sauerstoffs nicht letztendlich auch überhaupt die Möglichkeit, dass da so viele Leute hochkommen.

00:33:34: Da ist ja ein richtiger Stau, hab ich mal Fotos gesehen.

00:33:37: Ich weiß nicht, ob die mit der KI entstanden sind?

00:33:40: Dann sitzen überall auch ein paar Leichen, die dann nicht abgeräumt werden... Also was findest du das nicht auch...?

00:33:49: Fast eine Farce, das man sagt.

00:33:51: Dann kann man ja auch sagen okay ich fliege alle mit dem Helikopter rauf.

00:33:54: dann könnte man auch sagen ich war aufm Berg.

00:33:59: Also ist es nicht am Ende auch eine Ausbeutung der Möglichkeit?

00:34:07: Also definitiv ist The Everest völlig crowded.

00:34:11: Aber wer da hinfährt, weiß dass er dann nicht alleine unterwegs ist.

00:34:14: Und ich finde das sind so diese Ansprüche an sich selber oder auch die Vorstellung an sich selbst.

00:34:19: Warum mache ich das?

00:34:20: Wenn es diesen künstlichen Sauerstoff und vor allen Dingen die Climbing Sherpas in Nepal nicht geben würde, dann würden so viele also minimal kleine Anzahl an Bergsteigern auf den Everest kommen – und die meisten eben nicht!

00:34:34: Auf der anderen Seite finde kann man das auch nicht so schwarz-weiß sehen und sagen, da sind die Staus.

00:34:39: Da sind die Geldigen, die nur zu viel Kohle haben oder ohne Scherpers würden die in sich hochkommen?

00:34:45: So schwarz weiß kann man es irgendwie auch nicht sehen, weil man muss einfach klarsehen dieses Land Nepal ist eines der ärmsten der Länder.

00:34:52: Und warum dürfen die nicht an dem Everest auch Geld verdienen?

00:34:57: also das ist irgendwo finde ich legitim Die westlichen Bergsteigers Bergsteiger, die die Climbing Sherpas benötigen.

00:35:04: Neben den Einheimischen eben auch Arbeit.

00:35:07: also so muss man es auch sehen.

00:35:09: und ich finde wirklich auch dieser Vergleich zur Zugspitze wenn man sechs bis acht Wochen an einem Achttausend auf Expedition ist dann verteilt sich ja auch am Everest irgendwie die Menschenmenge auf diesen großen Zeitraum.

00:35:25: Und auf der Zugspitze, ich hab' die Zahlen jetzt nicht genau im Kopf, sind aber an einem einzigen Sommertag Tausende von Menschen und über die Zugspite und die Tausenden von Menschen wird überhaupt nicht gesprochen und der Everest mit den Menschenmassen wird zerrissen und deswegen finde Das muss jeder für sich entscheiden.

00:35:45: Natürlich ist der Everest überfüllt, natürlich würden es die meisten Menschen nicht schaffen den Berg zu besteigen ohne künstlichem Sauerstoff.

00:35:52: aber wer damit nicht klar kommt Der sucht sich andere Ziele.

00:35:55: Und so war das bei uns eben auch, also ich bin ja bewusst bei den Everrest-Führungen vom Luis nicht mitgefahren.

00:36:01: Wir haben das offen besprochen und er hätte sich gefreut wenn ich mitgekommen wäre.

00:36:05: Aber es war eben nicht unser privater Stil dass Höhenberg steigen aber es war für ihn ein Job.

00:36:10: Das war ein guter Job den er gerne gemacht hat.

00:36:13: Und so finde ich muss man für sich einfach entscheiden Möchte ich den Berg mit Sauerstoff besteigen?

00:36:18: Es ist einfach diese Trophäe dieser höchste Berg der Welt.

00:36:22: Den wollen einige Menschen besteigen und sind dafür bereit, alles Geld reinzustecken und allen Support zu nutzen?

00:36:29: Dann ist das okay.

00:36:30: oder sage ich für mich selber Ich möchte einen niedrigeren Berg besteigen oder einen einsamen Achttausender Und mache das ohne Verwendung von Künstlebensauerstoff.

00:36:40: Welche Rolle spielt denn die Angst in deinem Leben?

00:36:43: Hast du schon mal einer deiner Expedition gedacht?

00:36:48: Jetzt bin ich in Todesgefahr.

00:36:52: Also, ich hab in den Alpen zwei Lawinenunfälle gehabt, wo ich schon ordentlich Angst hatte, was glimpflich ausgegangen ist.

00:36:59: Wir haben am Manasluh einen von den Achttausendern, den wir bestiegen haben, hatten wir im ersten Anlauf kurz unter dem ... Gipfel, ein Gewitterentferner erlebt das einem die Haare unter der Mütze zu berge standen.

00:37:13: Wir sind dann umgedreht.

00:37:14: es hat mit dem gipfel nicht geklappt.

00:37:15: wir sind heil wieder runter gekommen aber da oben diesen naturgewalten diesem gewitter ausgesetzt zu sein Das hast du dann nicht mehr in der hand.

00:37:24: und dass ist wirklich auch was Dieses Restrisiko an den hohen Bergen ohne künstlichem Sauerstoff ist einfach viel größer als im alten Raum.

00:37:33: Und das ist mir bewusst und das waren schon Momente, wo ich richtig Angst hatte.

00:37:38: Aber es ist nicht so dass du bevor du aufbricht manchmal nicht schliefst oder dass du

00:37:46: irgendwie

00:37:47: auf einmal denkst mach ich das?

00:37:50: Also mir ging das zum Beispiel so, als ich meine Tochter bekam, Also mein erstes Kind.

00:37:58: Ich war immer eine begeisterte Skifahrerin, Tourengeherin, TiefschneefahrerInnen... Also ich parle mal nach Lech in Urlaub und da, also Skiurlaub ... Und da hatten wir immer unseren Bergführer.

00:38:11: und dann bin ich da, hab' ich mich schon immer gefreut wieder Tiefschnitttouren zu machen!

00:38:17: Und nach der Geburt meiner Tochter stand ich wirklich heulend in so einer Tiefschneewand, also steilen Tiefschnitthang und habe nicht mehr vor, nicht mehr zurückgewusst.

00:38:31: Weil mich plötzlich die Angst um mein eigenes Leben überkam.

00:38:37: Und das hat sich bis heute sofort geführt, dass ich sogar schon mal ... Von Lech runter mit dem Taxi und einem Bergführer wollte man nach Stuben hoch, nach Sankt Anton gefahren bin.

00:38:49: Und dann hatte ich meine Turnschie im Hotel vergessen.

00:38:53: Also ich hab so vom Unterbewusstsein Sachen gemacht, dass ich nicht anscheinend da nicht rauf muss!

00:39:02: Jetzt mach' ich's zum Beispiel gar nicht mehr aber wirklich so viel Angst habe.

00:39:06: Deshalb frage ich dich... Kommt das trotzdem manchmal?

00:39:13: wo du gesagt hast, mach ich das jetzt wirklich morgen.

00:39:18: Also Angst glaube ich ist beim Bergsteigen immer mit dabei.

00:39:21: Ich finde es aber irgendwo würde ich sagen die Angst ist eigentlich ein guter Partner weil sie einen ja auch ein bisschen davor warnt Dinge zu machen die vielleicht dann zu viel Risiko birgen.

00:39:31: und ich versuche dann in dem Moment wo ich Angst kriege so ein bisschen innezuhalten versuchen, diese Angst einzuordnen.

00:39:39: Ist das jetzt begründet?

00:39:41: Weil wir hier gerade einzeln durch einen lawingefährdeten Hang spuren?

00:39:46: oder ist es unbegründet weil ich irgendwie gerade insgesamt vom Nervenkostüm nicht gut drauf bin, irre viel Stress hatte und einfach plötzlich Angst auslebe?

00:39:55: also ich versuch dass wirklich dann so ein bisschen klar für mich zu definieren woher kommt die angst und dann versuche ich das neu einzuordnen.

00:40:03: interessanterweise bin ich aber immer Ich sag immer, ich bin an den Achttausenden ein anderer Mensch wie bei uns in den Alpen oder hier zu Hause.

00:40:12: Ich fieb dann schon manchmal in der Kletterhalle rum wo ja die Hakenabstände minimal sind und dann hab' ich plötzlich Angst!

00:40:19: Und an einem Achtthausender habe ich plötzlich gar keine Angst.

00:40:22: also das ist irgendwie bei mir wirklich...ich tauch da in ein anderes Leben ein an den hohen Bergen.

00:40:28: Aber tatsächlich diese Angst, als ich sie eben immer positiv, weil sie einen reflektieren lässt.

00:40:33: Wovor habe ich jetzt eigentlich Angst?

00:40:35: und ist das begründet oder nicht?

00:40:36: Also ich sehe die Angst eher als guter Begleiter oder wichtiger Begleitter.

00:40:41: Und was ich aber tatsächlich von Müttern immer wieder gehört hab – Ich kann das ja für mich selber nicht sagen, weil ich keine Kinder habe -, dass Mütter sagen, der Geburt von den Kindern einfach da versuchen, das Risiko zu reduzieren oder eben mehr Angst haben.

00:40:57: Und ich meine letztendlich war das bei Luis und mir auch eine gemeinsame Entscheidung dass wir uns gegen Kinder entschieden haben weil wir gesagt haben dieses Risiko wenn wir beide unterwegs sind und wir kommen im schlimmsten Falle beide nicht zurück würden wir nicht wollen.

00:41:13: Oder eben, dass man die Kinder so wegorganisiert zu den Großeltern damit wir jedes Jahr auf acht Tausende Expeditionen gehen und dann wundert man sich hinterher wenn das Kind nicht das erste Wort Mama oder Papa sagt sondern Oma oder Opa.

00:41:25: Und das ist wieder mein Perfektionismus.

00:41:27: ich hätte dann gerne auch gewollt Dass ich für ein Kind ganz da bin und Ich weiß aber auch, dass ich dann unzufrieden mit mir selber gewesen wäre weil ich einfach diese Expedition mit dem Louis so geliebt habe.

00:41:40: Und war der Louis an deiner Seite bei diesen Expeditionen vielleicht auch so ein tröstendes Element?

00:41:50: Also, weil ich könnte mir vorstellen wenn du jemand dabei hast dem du vielleicht nicht ganz so vertrauen kannst.

00:41:58: Dann stellst du vielleicht doch mal das eine oder andere in Frage und dann denkst du geh mal jetzt da lang oder nehmen wir jetzt die rote oder jene rote.

00:42:06: aber wie du ja schon sagtest war er ja auch ein Perfektionist.

00:42:12: Und das hat dich wahrscheinlich schon auch beruhigt, oder?

00:42:15: Wie siehst du das?

00:42:16: Absolut!

00:42:17: Also er war natürlich der bessere Alpinist von uns beiden... Und er war so der Ruhe, Pol einfach auch immer.

00:42:23: Ich sag immer ich bin eben auch ein bisschen Frau ungeduld und es kann nix schnell genug gehen und der Luis war immer so.

00:42:30: der Buddha in meinem Leben also den hat wirklich wenig aus der Ruhr gebracht und das gab mir natürlich gerade in den ersten Jahren wo ich noch nicht so erfahren war gab mir dass eine unglaubliche Beruhigung und Sicherheit und dann sind wir als Team zusammen gewachsen und ich habe natürlich auch viel Erfahrung gesammelt eben immer als Team unterwegs mit den eigenen Stärken und Schwächen.

00:42:52: Und da haben wir uns einfach dann so toll ergänzt, also er war der bessere Alpinist.

00:42:57: Ich habe dafür andere Dinge besser gekonnt ich hab die Höhe besser vertragen ich habe letztendlich auf dem Gipfel-Etappen konnte ich eigentlich meine vorhandene Kondition fast besser umsetzen Die weniger war.

00:43:09: In den Alpen bin ich dem Louis nicht hinterhergekommen, aber ich konnte die Kondition besser umsetzen und er hat mehr abgebaut.

00:43:17: Ich war so in Dingen logistisch.

00:43:19: Wie viel Hochlager brauchen wir?

00:43:22: Wo lagern wir welches Material?

00:43:24: Da war ich gut!

00:43:25: Wir haben uns einfach mit unseren Stärken und Schwächen gegenseitig super

00:43:29: ergänzt.".

00:43:30: Was ist denn eigentlich ein guter Alpinist?

00:43:33: Wenn du sagst, er war der bessere Alpinista ... Was ist denn der bessere Alpinist?

00:43:39: Ich würde sagen, er war technisch der besseren Alpiniste.

00:43:42: Das ist ja auch das Schöne beim Bergsteigen.

00:43:45: Es gibt so viele Facetten!

00:43:46: Es gibt die Sportkletterer, es gibt die Kletterer im alpinen Geländeklettern... ...es gibt die Steilwand-Schieffahrer,... ...es gib die Höhenbergsteiger, es gib die Mountainbiker und die Wanderer.

00:43:59: Also ich glaube, dass man das gar nicht jetzt so sagen kann was der... Beste oder perfekte Alpinistis, weil es ... Aber

00:44:08: du hast das ja gesagt.

00:44:09: Ja also er war für mich einfach so beim Höhenbergsteigen.

00:44:14: Also diese technische Erfahrung wir sind also Beispiel ist zum Beispiel Im Winter sind wir relativ selten beim Eisklettern gewesen.

00:44:22: Wir haben manche Winter gehabt da waren wir viel.

00:44:24: aber Es war schon bei uns immer eher so dass Wischitungea war und selbst mit wenig Training war der Louis technisch Beim Eisklettern mit dem Setzen der Schrauben und wie er die Eisgeräte und Steigeisen setzt, da war er einfach perfekt.

00:44:41: Ohne dass er eben viel trainiert hat.

00:44:43: also da habe ich dieses Vertrauen in seine Technik gehabt.

00:44:45: deswegen würde ich schon sagen die Technik Und bei ihm natürlich diese immense Erfahrung über dieses jahrelange führen in der Höhe.

00:44:54: Mein Mann der Stefan Glovats ist ja von Beruf Extremkletterer und Abenteurer.

00:45:00: Also seither irgendwie oder neunzehn, regelmäßig plant und realisiert er ja dann auch drei monatige Expeditionen.

00:45:09: Und hängt auch sonst eigentlich immer an irgendwelchen Wänden also nicht so viel zu Hause.

00:45:17: Er liebt das irgendwie und er braucht es irgendwie.

00:45:20: Also ist so sein Leben.

00:45:24: So halte ich mich als nicht kletternde Ehefrau mit extremer Höhenabgst, übrigens.

00:45:31: An den Satz im Loslassen halte Ich Dich fest!

00:45:35: Denn es hat ja überhaupt keinen Sinn diese Leidenschaft einzuschränken ihm etwas zu verbieten... Jetzt kommt hier so'n Helikopter?

00:45:46: Genau, füßener Krankenhaus ist in der Nähe.

00:45:49: Es hat ja gar keinen Sinn ihn einzuschränken, ihm das zu verbieten oder ihn zumindest vielleicht zu bitten dass er es nicht tut.

00:45:58: Also zumindest bei Stefan funktioniert das überhaupt gar nicht.

00:46:02: ich würde ihnen damit verlieren da bin ich mehr hundertprozentig sicher.

00:46:06: und dennoch geht's mir nicht immer so gut mit seiner großen Leidenschaft manchmal wenn ich dann wochenlang von ihm nichts höre, weil der kann nur einen Satellitentelefon kommunizieren.

00:46:19: Wenn da irgendwo auf Expedition ist und dann ist das vielleicht nicht aufgeladen, weil man das ja nur mit Solar machen kann.

00:46:28: Und dann ertappe ich mich wirklich manchmal dabei dass ich plötzlich im Auto sitze und mir überlege wen könnte ich denn jetzt mal zu seiner Beerdigung einladen?

00:46:38: oder was würde ich bei seiner Trauerrede sagen?

00:46:42: Dann erschrecke ich mich und dann schüttel ich diesen Gedanken ganz schnell ab.

00:46:47: Und denk mir, was denke ich denn für ein Quatsch?

00:46:52: Dein Mann ist ja im Mai von einem Achttausender im Himalaya, den er ohne künstlichen Sauerstoff bestiegen hat und mit den Skiern befahren wollte, nicht zurückgekommen.

00:47:08: Er wurde mehrere Tage vermisst und dann nach einer fünftigigen Rettungsaktion Tote aufgefunden.

00:47:15: Er starb aufgrund von Höhenkrankheit an einem Hirnhydem, und irgendwie finde ich hier keine Worte und jede Frage erscheint mir so ungenügend für das was du da erleben

00:47:31: musstest.".

00:47:33: Vielleicht findest du Worte, mit denen du deine Gefühle für das Unfassbarer ein bisschen ausdrücken kannst.

00:47:43: Das war für mich am Anfang auch nicht zu begreifen.

00:47:46: und auch seine Kollegen sein Freundeskreis jeder hat gedacht Der Louis hat hunderte von Kunden über Jahre an die höchsten Berge der Welt begleitet.

00:47:57: Er war einer der profiliertesten Expeditionsleiter weltweit und stirbt an der Höhenkrankheit, das war nicht zu begreifen wirklich.

00:48:07: dann mithilfe von Höhenbergsteigern, Höhenmedizinern und Psychologen.

00:48:11: Ich habe diesen Gipfeltag diese Puzzleteile, sage ich mal ganz gut zusammengesetzt.

00:48:16: Es kam einfach einiges zusammen Und letztendlich in Summe war es eben so wie du gesagt hast er ist höhenkrank geworden Er hat den Abstich nicht mehr geschafft Und ich denke wirklich im Nachhinein der Grad an acht tausenden ohne Verwendung von künstlichen Sauerstoffes ist brutal schmal Und Louis hat einfach im Pech keinen Glück gehabt.

00:48:40: Aber um meine Gefühle zu beschreiben, also erst mal diese Sprachlosigkeit,

00:48:45: das

00:48:46: bei der Erfahrung begreift man einfach nicht?

00:48:49: Ich meine, dass ein Restrisiko bleibt – das ist beim Gleitschirmfliegen bei Stallwanschi-Abfahrten in den alten Lawinengefahr auf Expeditionen, das ist ganz klar!

00:48:59: Aber irgendwie war der Louis einfach beim Höhenberg steigen... Da war der so in seinem Element, ich habe nicht damit gerechnet dass er da nicht wieder kommt von dem Berg.

00:49:10: Und hinterher würde ich sagen also mein Leben ist nicht zusammengebrochen es ist implodiert wir haben alles zusammengemacht Es ist alles weg gebrochen.

00:49:22: man fühlt sich wirklich lost in space So würde ichs eigentlich ausdrücken.

00:49:27: und das ist noch heute so dass ich manchmal denke Das ist alles nicht wahr.

00:49:31: was passiert ist.

00:49:33: Wie hast du denn überhaupt von seinem Vermissen erfahren?

00:49:37: Und dann natürlich auch von seinem Tod.

00:49:40: Und hast du beim Vermissen schon so eine Ahnung gehabt?

00:49:46: Ich hatte mit Luis an dem Mittwoch, auf den Feierzehntag, im letzten Hochlager noch Kontakt.

00:49:54: Und ich habe ihm geschrieben, alle Daumen sind gedrückt und meld dich wenn du wieder zurück angekommen bist.

00:50:01: Das war der letzte Satz über das GPS-Gerät geschrieben, mache ich Busy Lou.

00:50:06: Und dann hatte ich über die Agentur mitgekriegt am nächsten Tag, dass er den Gipfel erreicht hat.

00:50:11: Also die tun ja inzwischen im Internet wird das ja alles veröffentlicht auf Instagram, wer wann am Gipfel war und da hatte ich mit der Agentur Kontakt und die hatten dann auch mir geschrieben.

00:50:20: also wir haben noch Funkkontakt gehabt erst im Abstich, er hatte eben an dem fünfundzwanzigsten abends den GIPFEL erreicht.

00:50:26: Und dann war ich eigentlich relativ beruhigt, weil ich zum einen dachte ... Okay.

00:50:31: Er war spät am Gipfel-Skiabfahrt im Dunkeln wird wahrscheinlich nicht klappen, aber der Luis war immer unglaublich schnell im Abstieg.

00:50:38: Ich wusste, wenn da Funkkontakt ist, er war im Gipfel erst im Abstieg, kommt der ganz schnell wieder an.

00:50:45: Da war ich zu dem Zeitpunkt mit einem Freund beim Mountainbiken um Schwarzwald und hatte diese Info, mit der ich bin ins Bett gegangen.

00:50:52: Am nächsten Morgen hab ich natürlich ... sofort das Handy angeschaltet.

00:50:55: Und da kam dann schon die Nachricht aus Nepal, dass der Luis nicht mehr im letzten vierten Hochlage aufgetaucht ist.

00:51:02: und da muss ich in dem Moment wirklich ... hab' ich sofort gedacht, da ist was schief

00:51:07: gelaufen.".

00:51:08: Also jetzt habe ich ja wirklich selber diese große Erfahrung über viele Jahre Höhenberg steigen.

00:51:13: und da wusste ich, Mittwochabend war er schon in der Todeszone.

00:51:17: also da sagt man ab siebeneinhalbtausend Meter beginnt die Todeszrone.

00:51:21: Da war der Mittwochabend in der Todeszone ohne künstlichen Sauerstoff.

00:51:25: Donnerstagabend am Gipfel, Freitagfrüh im vierten Hochlager nicht aufgetaucht.

00:51:30: Da waren wir einfach aufgrund der Zeit völlig klar, dass da was schief gelaufen ist.

00:51:35: Aber trotzdem versucht man ja alles an Hilfe zu organisieren, was irgendwie möglich ist?

00:51:41: Ja die hast du dann nach deinem Mann suchen lassen.

00:51:45: Ich habe irgendwo gelesen das diese Suche fast siebzigtausend Euro kostet oder gekostet hat und du Gott sei Dank sie durch Spendenaufrufe finanzieren konntest.

00:52:00: Mein Mann sagt immer, such bloß nicht nach mir wenn ich irgendwo vermisst bin.

00:52:07: aber kann man das überhaupt als liebende?

00:52:10: Und ist der Tod begreifbar wenn man ihn Sieht, also denn Toten nicht wirklich sieht.

00:52:20: Habt ihr darüber irgendwie gesprochen gehabt?

00:52:22: Ja!

00:52:23: Also wir haben darüber ganz offen gesprochen und das war eben auch... Ich muss ja wirklich gerade in diesen ersten Tagen tausende von Entscheidungen treffen wo ich immer kurz die Augen zugemacht habe und gedacht hab okay wie würde jetzt der Luis entscheiden wie würd es für ihn passen?

00:52:37: Und natürlich habe ich danach ihm suchen lassen weil er irgendwie dieser Funke Hoffnung schon noch da war, dass er doch vielleicht irgendwie gefunden wird und noch lebt.

00:52:46: Und dann wurde er gefunden tatsächlich ja mit zeitlichem Abstand weil das Wetter auch relativ schlecht war die Helis konnten nicht fliegen also es erst am fünften Tag dann gefunden worden.

00:52:56: und da habe ich eigentlich eben zu meinen Kontaktpersonen die ich in Nepal hatte eben die mich da wahnsinnig unterstützt haben.

00:53:02: aber am Anfang hab ich eigentlich gesagt Ich möchte dass der Luis am Berg bleibt Weil das unser Agreement war.

00:53:08: Also wie das so ist, man sitzt zu Hause bei einem Gläschen Rotwein und spricht irgendwie über diese Risiken.

00:53:14: Und ich meine wir waren da auch nicht blauäugig.

00:53:16: Wir haben ja vorgesorgt.

00:53:17: Wir hatten Kontovollmacht, Vorsorgevollmach, Testament also es war alles irgendwie geregelt für den Fall der Fälle.

00:53:23: Passwort-Liste hatte jeder vom anderen mit E-Mail-Accounts und was weiß ich alles?

00:53:28: Eigentlich war für uns klar, wenn es an den Hohenbergen passiert dort bleiben.

00:53:34: Das habe ich dann auch in dem Telefongespräch gesagt Könnt ihr Louis am Berg lassen?

00:53:38: Also erst mal habe ich gar nicht damit gerechnet, dass er gefunden wird.

00:53:42: Dann wurde er gefunden und dann wollte ich das ja am Berg

00:53:44: bleibt.".

00:53:45: Und da muss sich dazu sagen gibt es seit ein paar Jahren in Nepal eine neue Regelung die eigentlich ja gut ist, dass die Expeditionen verpflichtet sind sämtlichen Müll von den Bergen wieder anzutransportieren.

00:53:58: Das ist ja ne gute Regelung!

00:54:01: Zu dem Müll, so makaber das jetzt klingt gehören aber auch Leichen.

00:54:04: Das heißt diese Agentur über die Louis das Permit eben auch gebucht hatte und den Basislager Koch

00:54:09: usw.,

00:54:11: die war sowieso verpflichtet ihn zu suchen.

00:54:13: Und dann haben sie ihn eben gefunden und dann mussten Sie ihn auch runterbringen.

00:54:16: Dann ist für mich erst mal kurz was zusammengebrochen weil das war nicht dieses Agreement was Louis und ich hatten.

00:54:23: wenn etwas passiert wollen wir an einem Hohenberg bleiben Und ich weiß noch, wie der Louis dann zu mir mal gesagt hat Schnuppi vielleicht schaffst du es ja doch mich irgendwie in einem Schlafsack in der Spalte zu versenken.

00:54:33: Also wir haben da schon wirklich offen drüber gesprochen so und dann war einfach diese Konstellation so die Agentur musste ihn suchen was auch in meinem Sinne letztendlich war.

00:54:43: Sie haben ihn gefunden, womit ich nicht gerechnet hab.

00:54:45: Und sie haben ihn nach Kathmandu runtergebracht.

00:54:47: und ich sag wirklich das war das Geschenk meines Lebens dass ich Louis noch mal sehen konnte.

00:54:53: Das ist genau dieser Punkt.

00:54:55: man kann von einem Toten glaube ich oder ich sage es mal für mich besser Abschied nehmen wenn man ihn nochmal gesehen hat.

00:55:02: Und den Louis in Kathmandun nochmal zu sehen war für mich ganz wichtig.

00:55:06: Also du bist dann dorthin geflogen?

00:55:10: Genau.

00:55:10: Noch während der Suche?

00:55:12: Nein, am Anfang noch nicht.

00:55:13: Also es haben mich schon so ... Ich hatte immer mein Berater-Team.

00:55:16: Ich hatte die tollsten Menschen um mich herum, die mich unterstützt haben in ganz verschiedene Dingen und natürlich haben dann die einen oder anderen auch gefragt, willst du danach Kathmandu fliegen?

00:55:26: Und ich hab gedacht, ich überstehe den Flug gar nicht!

00:55:29: Es war für mich irgendwie so, den Flug übersteh' ich nervlich überhaupt nicht.

00:55:34: Dann habe ich gesagt, ich warte mal ab Weil ich eigentlich davon ausgegangen bin, der Louis wird gar nicht gefunden.

00:55:39: Und da bin ich dann wieder so ein Pragmatiker und gesagt für seinen Gepäck fliege ich nicht nach Kathmandu – das kann man mir auch zuschicken!

00:55:47: Aber dann kam plötzlich dieser Anruf, Dienstag nach Pfingsten, der Luis ist gefunden Und dann wollte ich sofort nach Kathmandu, am liebsten noch an dem Abend.

00:55:56: Dann muss man aber auch hier ... Ich musste ja echt ein paar Dinge organisieren.

00:56:00: Versicherungssachen klären und Unterlagen mitnehmen und natürlich Flugbuchen.

00:56:04: Dann war es total nett!

00:56:06: Dann hat mein Bruder mich angerufen der ältere, zwei Jahre älteren und hat so vorsichtig gefragt, möchtest du Begleitung haben?

00:56:13: Und ich hab natürlich erst mal gedacht das schaff' ich alleine Und ich bin so froh, dass mein Bruder mitgefahren ist.

00:56:20: Weil diese Reise nach Kathmandu war extrem wichtig aber es war natürlich auch entsetzlich traurig.

00:56:27: Es waren total skurril viele Dinge und den großen Bruder an meiner Seite zu haben das war ganz toll!

00:56:33: Dann sind wir uns erst von Hamburg geflogen.

00:56:35: Ich bin von München.

00:56:37: Wir haben uns in Istanbul dann getroffen.

00:56:39: Wir hatten eben diese Gabelflüge und sind von dort aus weiter nach Kathmando Nervenzusammenhoch gehabt.

00:56:45: Am Münchener Flughafen haben mich Mitarbeiter angesprochen, habe ich irgendwie Hilfe bräuchte.

00:56:49: also ich hab glaube ich ziemlich schlecht ausgesehen.

00:56:52: aber irgendwie habe ich diesen Flug nach Istanbul geschafft und ich habe wirklich das noch vor Augen.

00:56:57: da steht mein großer Bruder in einer roten Fließjacke und nimmt mich in Empfang und dann dachte ich jetzt wird alles gut!

00:57:04: Also alles gut ist es natürlich nicht geworden aber dann war ich so geborgen daran dass der große Bruder eben mit dabei war Und dann haben wir echt die Reise gut hingekriegt und die war eben wirklich für dieses Abschied nehmen unglaublich wichtig.

00:57:20: Wenn ich fragen darf, du musst sagen, wenn das vielleicht dir zu nahe ist... Aber jetzt kommst du da an in Kathmandu!

00:57:31: Und was passiert denn?

00:57:35: wird man dann in irgendwie so ein Art Leichenschauhaus geführt.

00:57:39: Und da liegt er dann in einer Kühltour?

00:57:43: Wie ist das denn?

00:57:44: Du darfst alles fragen, Tanja und ich finde, dass sind ja auch ganz wichtige Dinge mit denen man sich da auseinandersetzen muss!

00:57:50: Das ist natürlich nicht wie in Deutschland.

00:57:52: Es ist einfach alles anders.

00:57:54: Und das macht eben diese Reise für mich im Rückblick nach Kathmandu.

00:57:58: Macht sie eben nicht nur traurig sondern auch wirklich... Also, ich hab da irre viel für mich auch gelernt und bin an Dingen einfach gewachsen.

00:58:05: Ich hab natürlich, guck ja auch jeden Sonntagabend-Tatort ... Und ich hab dann auch gedacht, dann gehen wir da so in den Krankenhaus und dann wird irgendwie eine Kühlkammer aufgezogen.

00:58:13: Dann liegt der Louis unter dem weißen Tuch.

00:58:16: Das ist natürlich in Nepal nicht so.

00:58:18: Wir sind angekommen, die Billy Birling war vor Ort, das ist die Garmischerin dir, die Himalayan Database in Kathmandu leitet.

00:58:25: Die war mein Krisenglücksfall, weil sie zu dem Zeitpunkt in Nepal war.

00:58:30: alle Kontakte auch hatte.

00:58:31: Also ich musste ja auch Kontakt zur deutschen Botschaft aufnehmen, zu einem Bestatter.

00:58:35: also Billy hat alles für mich gemanagt, hat das Hotel gebucht und am Fluchhafen abgeholt und dann haben wir eben die Tage besprochen was ansteht, was gemacht werden muss wie ich es wünsche.

00:58:45: Also Billy hat Alles organisiert für mich die trage ich eben wie mein Bruder bis an meinen Lebensende auf Händen.

00:58:52: Und dann sind wir eben da auch in dieses Krankenhaus gefahren wo Lewis dann hingeflohen worden ist aus dem Basislager.

00:58:57: eben Ja, und das ist eben auch nicht ein deutsches Krankenhaus.

00:59:01: Also da gibt es dann schon eine Pathologie.

00:59:04: Und dann war das aber eigentlich eher ein Hinterhof wo Louis auf einer Bare lag mit Tuch verdeckt also nichts mit Kühlkammer oder was?

00:59:14: Aber es war auch da... Wir hatten wirklich dann auch ein bisschen Intimsphäre, sag ich mal.

00:59:20: Zeit für uns.

00:59:21: Ich hatte mit Philipp und Billy besprochen, wir gehen zusammen hin.

00:59:24: Wir sind vom Kopf hier auf den Luys zugegangen.

00:59:27: Ich hab ihn sofort an seinen Haaren auch erkannt.

00:59:29: Dann war der Bestattter dabei und hat ein Stück weit dieses weiße Tuch abgenommen so dass ich ihn bis zum Oberkörper sehen konnte.

00:59:36: Und dann stand ich da eben mit Billie und mit Philipp.

00:59:38: Wir haben einen Zusammenabschied genommen.

00:59:40: Da war ich noch im Moment alleine auch.

00:59:42: Das war ... Ja das gibt's in Deutschland so nicht aber Das sind eben andere Länder, andere Sinten.

00:59:47: Und es war alles okay so wie's war und das war eine sehr traurige aber absolut wichtige und wertvolle Erfahrung für

00:59:55: mich.".

00:59:55: Und dann wird er im Sarg nach Hause geflogen?

00:59:58: Nein also ich hatte dann überlegt und hatte da auch... Ich hatte immer über meinen Bruder Kontakt mit meiner Familie.

01:00:05: Also ich konnte ja nicht mit jedem telefonieren!

01:00:07: drei Geschwister und eine Mama.

01:00:09: Louis hat zwei Geschwisters, also ich konnte da nicht jeden Tag mit jedem telefonieren.

01:00:13: Ich hab dann von Anfang an die Absprache gehabt, ich informiere meinen Bruder immer.

01:00:18: Und der informiert meine Familie und ich informier Luis' Bruder und seine Familie.

01:00:22: Da hab ich natürlich auch Rücksprache gehalten und hab eben zu dem Bruder gesagt, ich fliege nach Kathmandu, möchtest du mit?

01:00:28: Er hat sich aber dagegen entschieden.

01:00:30: Dann hab ich gesagt ... Also, ich stell mir vor, Luis einäschern zu lassen in Kathmandus.

01:00:35: passt das für euch?

01:00:37: Dann bin ich nach Nepal geflogen und dann wurde er dort eingeäschert.

01:00:41: Das ist auch so, dass es da einen Bestatter gibt, der das alles organisiert.

01:00:45: Und wir haben ihn dort einäschern

01:00:47: lassen.".

01:00:48: Und dann bist du wieder nach Hause geflogene mit der Urne?

01:00:51: Die Ohne habe ich in Nepal gelassen, weil ja Louis Wunsch ursprünglich war an den Hohenbergen.

01:00:58: Wenn es passiert, dann möchte er da bleiben und das konnte ich ihm am Kanchenchengang nicht ermöglichen.

01:01:04: aber ich wusste, ich möchte es ihm irgendwie anders ermögliche.

01:01:08: Und dann war eben klar dass die Ohne in Nepal bleibt.

01:01:10: und dann hab' ich auch mit dem Bestatter gesprochen.

01:01:12: Ich meine, ich war da!

01:01:13: Ich war ja völlig neben der Spur, ich konnte gar nichts irgendwie klar entscheiden und ich wusse also dieses Thema ohne Asche.

01:01:20: da muss ich erst mal Zeit vergehen lassen und in Ruhe überlegen.

01:01:24: Und dann hat der Bestatter wirklich ganz nett gesagt, Ich kann die Urne auch bei mir erst mal stehenlassen oder ich kann die Asche selber verteilen oder du kommst wieder wie du

01:01:32: willst.".

01:01:33: Dann war wirklich Billy Birling auch wieder Klasse!

01:01:36: Die hat dann zu mir so cool gesagt.

01:01:38: Deswegen macht diese Nepal-Reise ... Die war traurig aber auch skurril und manchen Dingen sehr komisch und absolut.

01:01:48: Bereich hat auch irgendwie was man so erleben kann.

01:01:51: Dann sagt sie, Billy ist so zu mir du der Louis kann auch bei mir wohnen weil die Billy hat ja eine Wohnung in Kathmandu.

01:01:57: Und dann hab ich so gedacht, wow.

01:01:59: Das macht auch nicht jede Frau, dass sie sich die Urne von einem fremd Mann ins Schlafzimmer stellt.

01:02:03: Aber Billy macht das eben und dann war ich ganz beruhigt, dass ich den Louis quasi erst mal bei Billy lassen konnte.

01:02:10: Sie hat dann auch ganz süß auf nem Tisch einen kleinen Altar eingerichtet.

01:02:13: Ich hab ihr noch Fotos geschenkt.

01:02:14: Der hat sie an die Wand geklebt und hat ein schönes religiöses Tuch um die Ohne gestellt.

01:02:21: Dann hatte der Louis da seinen Wohnplatz hier irreviel zu organisieren, eine Abschiedsfeier.

01:02:30: Ich musste mich darum kümmern, dass diese nepalisische Sterbeurkunde anerkannt wird, dann dieses ganze Thema Amtsgericht und so weiter.

01:02:40: Und Abschiedspeyer hier und das ganze Organisatorische.

01:02:44: Da habe ich gedacht, also jetzt mal runter vom Gas ... Louis hat einen guten Platz bei Billy in der Wohnung!

01:02:50: Dann kann ich ganz in Ruhe entscheiden, was ich machen

01:02:52: werde.".

01:02:54: Wie geht das Leben weiter?

01:02:56: wenn man die Liebe seines Lebens verloren hat.

01:02:59: Was schenkt ihr heute denn Trost?

01:03:03: Also ich bin absolut dankbar für diese twenty-fünf Jahre an Louis' Seite, das ist wirklich ein ganz großer Trost, dass ich sagen kann, Ich hab wirklich die Liebe gehabt!

01:03:13: Das ist ja auch nicht jedem gegeben, das Glück und ich kann sagen... besten Jahre mit ihm verbracht.

01:03:23: Wir haben die tollsten Sachen gemacht, also das ist diese Dankbarkeit.

01:03:27: und auf der anderen Seite aber dieser unglaubliche Schmerz weil wir ja eben von Training über Expedition bis hin zu Vorträgen alles gemeinsam gemacht haben.

01:03:38: Das heißt, der Luis ist einfach in allen Lebensbereichen von mir weggebrochen und ich habe das am Anfang so gesagt.

01:03:44: Ich hab gesagt dass fühlt sich an als ob dir selber Organe entnommen werden.

01:03:51: Zehn Jahre vor dem Tod deines Mannes seid ihr hier in seiner Heimat nach Füssen, in diese Wohnung gezogen.

01:03:59: In der wir jetzt sitzen.

01:04:01: Du bist nach wie vor hier und hast auch so einen kleinen Altar für deinen Mann aufgebaut.

01:04:09: Hast du denn jemals darüber nachgedacht diesen Ort zu verlassen?

01:04:13: Weil am Ende es ja

01:04:15: doch auch

01:04:15: schmerzhaft ist an alles erinnert zu werden.

01:04:19: Also es heißt ja immer bei Trauernden keine weitreichenden Entscheidungen im ersten Trauerjahr, also sprich Jobwohnung und so weiter.

01:04:28: Und da habe ich auch gedacht mal langsam Ich muss jetzt erstmal in meinem neuen Leben ankommen und kann alles mit der Zeit entscheiden.

01:04:35: Ich bin mit wunderbaren Freunden hier in Füßen vernetzt.

01:04:39: Ich fühl mich in der Wohnung sehr wohl.

01:04:41: Das war ja auch gar nicht klar, ertrage ich das hier.

01:04:44: Aber die Wohnung ist meine Trauerhöhle und mein Rückzugsort.

01:04:48: Ich lasse da ganz wenig Menschen rein.

01:04:52: Und ich hab dann wirklich gespürt, dass mir das gut tut hier.

01:04:56: Natürlich weiß ich nicht was in zehn Jahren ist.

01:04:58: Vielleicht lerne ich noch mal einen neuen Partner kennen oder so.

01:05:02: Aber aktuell fühle ich mich vom Freundeskreis in Füssen wohl.

01:05:08: Ein Thema in der Wohnung ist ganz schwierig.

01:05:10: Da muss ich noch eine Lösung finden, das ist unser Ehebett.

01:05:13: Ich hab Louis' Seite mit Kissen und einem Bettüberwurf dekoriert und hab natürlich das Bettzeug weg.

01:05:20: aber es ist doch knallhart dieses.

01:05:21: Ich gehe abends ins Bett und die zweite Seite bleibt leer.

01:05:25: Und morgens beim Aufwachen der erste Gedanke oder Blick ist, die Zweite Seite ist leer.

01:05:29: also da überlege ich grad so ein bisschen rum stelle ich das Bett oben tue ich's ganz verändern und schmeiß es raus.

01:05:36: Das ist der einzige Punkt in der Wohnung, der mir gerade sehr im Magen liegt.

01:05:41: Ansonsten fühle ich mich hier absolut wohl.

01:05:44: Genießt dieses Umfeld und diese gute Vernetzung im Freundeskreis, die ich hier hab?

01:05:48: Ja, das ist ja auch ein Stück eher.

01:05:51: Dieses Füssen seiner Heimat ... Da ist vielleicht auch ein Stück seines Geistes.

01:05:58: Ganz genau!

01:05:59: Irgendwie ist mir der Louis eben dadurch auch nahe.

01:06:03: Leben denn seine Eltern auch hier und leben die noch?

01:06:06: Also du hattest vorhin glaube ich nur seine Mutter erwähnt.

01:06:11: Wie verbunden wart ihr denn immer, als er noch am Leben war?

01:06:14: Genau.

01:06:15: Also wir haben die Eltern regelmäßig besucht.

01:06:17: also Louis Papa war auch Bergführer.

01:06:19: Also Louis ist da genau in die Frühstapfen vom Vater getreten und der Papa war beim DIY Summit Club eben in München Und der ist aber im Jahr zwei tausend neunzehn gestorben und seine Mutter hat dann hier noch allein gelebt mit Umzügen jetzt inzwischen eben im Pflegeheim.

01:06:34: Aber sie lebt noch und die habe ich gerade vor zwei Tagen wieder besucht im Pflegeheim

01:06:38: Und dann hat der Geschwister gehabt.

01:06:40: Genau, zwei Geschwisters hatte er eben gehabt den einen Bruder, der ist junger und eine jüngere Schwester.

01:06:44: auch also Louis war der älteste von den Reihen.

01:06:48: Ja und nach dem Trauerfeier und einem filmischen Nachruf für dein Mann im Alpefilmtheater hier in Füssen Den du mit dem Alpeverein zusammen veranstaltet hast Hat ein Leserbrief seines Bruders In der Tageszeitung schon für Aufsehen gesorgt.

01:07:12: Darin schrieb er Arma-Louis Ausrufezeichen, wie viele Verabschiedungen, Nachrufe und so weiter musst du den noch über dich ergehen lassen bis du endlich in Frieden ruhen

01:07:25: darfst.".

01:07:26: Die Antwort ist einfach, Doppelpunkt!

01:07:29: So lange es für diejenigen, die auf dem Trittbrett seiner früheren Erfolge und deines Bekanntheitsgrades mitfahren wollen publicitymäßig verwertbar ist.

01:07:42: Und in einem späteren Leserbrief zum Anlass einer Gedenktafel der DHV-Sektion, welcher sein Bruder gut hieß, beklagte er aber, dass manch andere Memorialaktionen nicht mit der leiblichen Familie abgesprochen wurden?

01:08:03: und dass es für die direkten Angehörigen sehr belastend ist, wenn die Geschichte bei passender Gelegenheit immer wieder öffentlich nach oben geholt wird.

01:08:16: Er schreibt dann weiter in diesem zweiten Leserbrief, das es nun mal genug sein sollte mit der medialen und kommerziellen Ausschlachtung des Lebenswerks dass es der armen Familie von Laura Dalmeier, die ebenfalls im Himalaya tödlich verunglückt ist sicher ähnlich geht.

01:08:42: Die beiden Leserbriefe des Bruders von Louis haben mich sehr traurig gemacht damals

01:08:52: und auch

01:08:52: eigentlich heute noch.

01:08:54: Denn in seinen verbitterten Zeilen spüre ich wie sehr er ... Deinen offenen Umgang mit dem Tod und dem Sterben, der Trauer und deiner Art an ihn zu erinnern nicht umgehen kann.

01:09:10: Und dieses Kapitel eben gerne jetzt abschließen

01:09:15: möchte.".

01:09:17: Ich

01:09:17: denke aber, dass niemand aus der Familie den Ehepartner seine Trauer oder seiner Art der Trauere oder seinen Trauerweg ... Vorschreiben und kritisieren darf.

01:09:28: Ich erinnere mich dann auch an meine Schwester Leila, die in dem Jahr sieben mit zweiundvierzig an Brustkrebs starb und ihr Mann und Vater ihrer beiden Kinder dann die Asche im Meer verstreut hat.

01:09:45: Meine Eltern und ich haben das nicht so gut gefunden weil wir hätten eigentlich lieber einen Grab gehabt.

01:09:56: Aber wir haben irgendwie diesen Wunsch akzeptiert.

01:10:00: Wir haben ihn auch nicht kommentiert und haben unsere Wünsche einfach so ein bisschen zurückgestellt, weil wir ja wussten ... Ja, letztendlich hat der Ehepartner eben dann das Sagen.

01:10:14: Also da gibt's eben nur einen, der das entscheiden darf!

01:10:18: Wie sehr verletzt es dich?

01:10:21: Wenn dein individueller Trauerweg angeklagt und kritisiert wird.

01:10:28: Also ich finde wirklich grundsätzlich in Deutschland, dass Trauer beurteilt und verurteilt wird – und da steht niemanden zu!

01:10:40: zu lang, zu kurz getrauert.

01:10:42: Zu viel, zu wenig, zu laut und zu leise.

01:10:45: Also trauernde werden unglaublich schnell verurteilt oder es wird darüber gesprochen wie Mann oder Frau zu trauern hat Und Trauer ist einfach etwas ganz individuelles.

01:10:59: Das steht niemanden zu sich da auszulassen über jemand anders der Trauert.

01:11:05: Jeder kann das für sich entscheiden ob er eben still zu Hause trauert eben laut quasi oder sichtbar, wie auch immer.

01:11:15: Und ich bleibe da immer ganz bei mir.

01:11:18: Also ich höre in meinen Bauch rein was mich gerade in meiner Trauer gut tut und man muss natürlich auch zu diesen Leserbriefen dazu sagen Es ist ja nicht so, dass ich mit Louis Tod an die Öffentlichkeit gegangen bin.

01:11:30: Sondern wir waren Profibergsteiger.

01:11:33: Wir standen immer mit einem Bein in der Öffentlichkei.

01:11:36: Also es gibt auch wirklich diesen juristischen Ausdruckpersonen des öffentlichen Lebens.

01:11:41: Das waren wir einfach.

01:11:43: Mit dem Wissen natürlich auch ... Und das ist jetzt gar nicht nur Louis Tod!

01:11:47: Man hat dann, wenn man plötzlich eben öffentlich isst, man hat nicht nur Freunde sondern man hat auch Kritiker.

01:11:52: also das ist was.

01:11:53: damit muss man selber oder ich wir früher auch zusammen, damit muss man einfach umgehen können.

01:11:59: Das heißt ich weiß einfach... Ich habe ein unglaublich tolles Umfeld.

01:12:04: aber natürlich hab' ich auch Kritiker die mich wegen irgendwas kritisieren weil in meinem Figur nicht gefällt mein Sport nicht oder der Umgang mit Louis Tod.

01:12:13: also das muss man abkönnen wenn man eine Person des öffentlichen Lebens ist und ich hab wirklich immer seit Louis Tod die Devise Energieräuber lasse ich mir nicht an mich ran.

01:12:25: Also mein Alltag ist noch so fragil, ich muss in erster Linie darum kümmern, dass ich meinen Alltag schaffe, das es mir gut geht.

01:12:32: und jemand der da irgendwie mit Kritik kommt, das lass' ich gar nicht an sich ran.

01:12:37: Man sagt ja auch so, Ratschläge sind auch Schläge!

01:12:40: Und wo ich mir denke, ich entscheide, dass alles aus meinem Bauch heraus wie's mir gutgeht, wie's meiner Trauer gut geht... Ich meine jeder Mensch is ja ein Individuum Und dann ist auch jeder Tod ein individueller Tod und eben auch der Umgangmann mit der Trauer.

01:12:57: Das kann man einfach nicht vergleichen, und man darf es nicht übertragen von dem einen, der so trauert und vom anderen, der zu trauen.

01:13:11: Absolut!

01:13:12: Also ich bin ein anderer Mensch geworden.

01:13:15: insofern dass ich ganz viele... Dinge vom Louis übernehmen haben mir aber viele andere Trauerende auch erzählt, dass man von seinem Partner viele Dinge so übernimmt.

01:13:26: Man lebt quasi für zwei.

01:13:28: Also das finde ich ganz interessant, wo ich manchmal auch denke.

01:13:31: Ich spreche dann ja auch mit Luis in der Wohnung bei manchen Dingen.

01:13:35: Früher war es einfach so, der Luis mit seinen Eigenschaften war der Luis und die Alex mit ihren Eigenschaftern war die Alex.

01:13:40: Und jetzt übernehme ich so viele Dinge vom Luis, dass ich manchmal schmunzeln muss und denke, wie ich jetzt so reagiert habe?

01:13:46: Das war ein typischer Luis!

01:13:48: In dem Fall auch von öffentlichen Leserbriefen und dem kritischen Umgang mit meiner Trauer... Da habe ich nur die Augen zugemacht und hab an Louis gedacht, wie der Louis reagiert hätte.

01:13:59: Und der Louis hat zu mir gesagt, Schnuppi!

01:14:02: Von sowas lässt du dich doch nicht von deinem Weg abbringen.

01:14:05: Ab in die Berge tobt dich in den Bergen

01:14:07: aus.".

01:14:07: Also er war ja eben immer so ... Der Buddha in meinem Leben, der ruende Pol hat auf sich und auf uns geschaut.

01:14:13: Und da sind eben viele Dinge, die ich übernehme von ihm.

01:14:16: Ich bin ... in vielen Dingen auch echt über mich herausgewachsen.

01:14:21: Also das muss man dann irgendwie, weil man ja plötzlich mit allem was man geteilt hat in jeder Ehe gibt es einfach diese Arbeitsteilung und alles musste ich übernehmen und ich habe wirklich dann auch Dinge geschafft.

01:14:32: also zum Beispiel die Vorträge haben wir zusammen aufgebaut aber er hat sie technisch umgesetzt Und dann stand ich plötzlich da.

01:14:40: Die Vortragsanfragen waren, wie baue ich jetzt einen Vortrach auf?

01:14:43: Dann habe ich gedacht... Also ich schaffs ja gerade mal meinen Laptop an die Steckdose anzuschließen aber wie die Kombination mit dem Beamer ist, da steige ich schon aus.

01:14:51: oder diese Überlegung was zeig' ich in einem Vortracht!

01:14:53: Wie geht mein Leben

01:14:54: weiter?!

01:14:55: Das hab ich... toll auf die Kette gekriegt und kriegt tolles Feedback zu den Vorträgen.

01:14:59: Oder dann war diese blöde Windows-Elfumstellung, die mich natürlich auch ereilt hat letztes Jahr, wo ich dachte, was mache ich mit dem alten PC?

01:15:07: Also allein da erst mal diese ganzen Daten vom Lewis zu durchforsten!

01:15:11: Das ist emotionale Schwerstarbeit.

01:15:13: Und zu entscheiden, was bleibt, was geht mit?

01:15:17: Laptop wieder über oder gehe ich komplett auf Mac, mit den Vorträgen auch.

01:15:21: Also diese ganzen technischen Dinge, wo ich jetzt nicht ein großes Talent habe, die hab' ich irgendwie echt geschafft!

01:15:29: oder mit dem Auto eben auch so Entscheidungen, also auch Autowerkstatt und so war immer Luis Baustelle.

01:15:35: Und das ist schon toll, dass man sieht wie man an solchen Dingen wachsen kann im Leben.

01:15:41: Also ich glaube bei aller Trauer, bei allem Schmerz beides ist jeden Tag da aber man wächst über sich hinaus.

01:15:52: Das Leben geht einfach weiter ob man will oder nicht Der Zug des Lebens fährt einfach weiter.

01:15:57: Man muss irgendwie versuchen, da mitzukommen und ich bin dann oft wirklich stolz auf Dinge die ich geschafft habe wo auch denke der Louis wäre jetzt auch stolz mich.

01:16:09: du arbeitest ja seit zwei tausend sechzehn auch als jogalehrerin.

01:16:14: hier hinter dir liegt auch schon die schöne yoga mathe.

01:16:17: na eher ein fell.

01:16:21: Du hast eine Ausbildung auch, und du bist eine gefragte Speakerin.

01:16:27: Also du hast diese zwei Beine.

01:16:31: Möchtest du in deinem Leben noch die sieben weiteren acht Tausender auf der Welt besteigen, die dir bis zur Nummer vierzehn noch fehlen?

01:16:43: Also das kann ich ganz klar mit Nein beantworten.

01:16:45: Das war aber auch nie unser Ziel, also wir haben wirklich immer so von Jahr zu Jahr geplant und es gab eben auch mal zwischendurch ein Jahr wo ich zum Beispiel unbedingt nach Chile wollte um die chilenischen Vulkane mit Ski zu besteigen.

01:16:58: und in dem Jahr habe ich eben gesagt da verzichte ich konkret auf einen Achttausender Und ich muss auch ganz klar sagen Ich bin so ein Mensch oder Rekorden, so habe ich gar kein Verhältnis.

01:17:11: Dieses Sammeln, Seven Summits alle vierzehn-achttausender ... Ich bin nicht ein Sammlertyp.

01:17:16: Bei mir ist da eher mehr Chaos und dafür ... war ich aber am Akon-Kargoreben, wie auch die Akon Kargore Südwand geklettert.

01:17:23: Und das war mit Abstand das Anspruchsvollste was ich machen konnte.

01:17:27: Das war anspruchs voller Anliegen als die Achttausender und ich habe eben auch noch immer andere Bergziele.

01:17:32: deswegen steht dass gar nicht mehr zum Thema stand es aber auch nie.

01:17:35: und man muss natürlich auch sagen Ich werde wie alle anderen Menschen auch nicht junger.

01:17:40: also das geht natürlich nicht ewig!

01:17:42: Ich werd jetzt im Herbst fünfundfünfzig.

01:17:44: ich fühl mich aktuell gesund Konditionell und klettertechnisch absolut fit, also gerade klettertechnisch sogar fitter teilweise als wenn ich mit Louis damals unterwegs war.

01:17:54: Also mir geht's da gut.

01:17:56: aber ich merke auch so ein bisschen die Entwicklung an den Achttausenden weil wir vorhin auch über die Massen am Everest gesprochen haben.

01:18:05: Das taugt mir nicht mehr so.

01:18:07: Ich war dann ja eben noch mal an einem Siebentausender und das war wirklich, so wie Luis und ich das immer gemacht haben.

01:18:13: wir sind zu Fuß reingelaufen Wir haben uns am Berg akklimatisiert, wir sind zur Fuß wieder raus gelaufen, wir haben kein Helikopter genommen.

01:18:20: also heutzutage wird manchmal in Kathmandu beim Kaffee gesessen Man ist vorakklimätisiert und dann ist plötzlich Wetterfenster und dann wird ins Basislager geflogen Und zack steigt man auf den Berg ist einfach überhaupt nicht mein Bergsteigen.

01:18:34: Das soll jeder so machen wie er will, nur dadurch ist es ja auch

01:18:37: möglich.".

01:18:38: plötzlich zwei oder drei Achttausende an einer Saison zu schaffen, dass man eben einfach die Wege mit dem Helikopter verkürzt.

01:18:44: Und wir haben uns halt eine Saison in Nepal acht Wochen voll auf einen Berg konzentriert weil wir eben rein und raus gelaufen sind zu Fuß und das ist alles heute anders.

01:18:53: ich will nicht dieses typische ja man hängt an den alten Zeiten da war alles besser.

01:18:57: es ist einfach anders.

01:18:59: und Ich habe in meinem Leben jetzt so gemerkt mir sind die Hohen Berge noch wichtig, aber es sind eher so die Sechs und Sieben Tausender wo mich noch der eine oder andere reizt.

01:19:08: Absolut wichtig ist für mich Nepal.

01:19:10: also ich fahre einmal pro Jahr nach Nepal weil das natürlich inzwischen einfach bin ich viel verbundener zu Nepal als früher weil ein Teil von mir dort begl- geblieben ist.

01:19:20: Also Nepal ist wichtig, es sind die Hohenberge noch wichtig aber es müssen nicht mehr die höchsten sein und ich habe einfach inzwischen auch wieder ganz viel Freude in den Alpen.

01:19:29: was zu machen?

01:19:30: also?

01:19:30: wenn früher die Ski-Touren einfach nur noch Training waren für die Achttausender dann ist jetzt eine Ski Tourenwoche für mich an den Alten im Piemont in einem Tal das ich noch gar nicht gekannt hatte so ne kleine Entdeckungsreise.

01:19:42: oder ich bin jetzt gerade von Transalp mit dem Mountainbike zurück gekommen.

01:19:45: Ich liebe dass jedes Jahr einmal eine Transalt zu fahren oder eben das Sportklettern.

01:19:51: Dann mache ich jetzt wieder viel im Ambitionierter, ich gehe wirklich zweimal mindestens oder manchmal dreimal die Woche in die Halle zum Trainieren.

01:19:58: auch also ich sage mal der Berg-Sport, die Berge als Kraft und Fluchtort für mich sind absolut geblieben.

01:20:05: aber es haben sich so ein bisschen die Prioritäten verändert und ich bin einfach dankbar aktuell für meine Gesundheit.

01:20:11: was ich jetzt noch machen kann.

01:20:13: Und hast du Die Asche von Louis inzwischen verstreut.

01:20:18: Oder ist die noch im Schlafzimmer deiner Freundin?

01:20:21: Nein, das wäre jetzt ein bisschen lang.

01:20:23: Wir haben ja das Jahr ... Die Billie hat zu mir gesagt, Louis ist so ein ruhiger Mitbewohner, der kann bei mir bleiben wie du das möchtest.

01:20:33: Aber ich hab das wirklich dann, also ich hab so einen Jahr lang quasi gebraucht um mir auch so ein bisschen zu überlegen was passen würde.

01:20:40: und dann hat sich eben im Herbst, in einem ganz kleinen Team mit einer dem österreichischen Bergführer, den ich gut kannte mit dem der Louis am Everest geführt hat.

01:20:53: Mit dem Kunga-Sherpa, mit dem daulagierie sieben eben mit seinem Everesttrivatgast zum Trainieren unterwegs war, hat sich das dann gefügt dass ich diese Chance hatte in diesem kleinen Team wo auch Teilnehmer dabei waren, die mit Louis schon unterwegs waren.

01:21:13: Das hat sich wirklich so gefügt, dass ich mit denen losziehen konnte.

01:21:17: und da hab' ich dann im Herbst- Ich weiß noch, wie ich im Flieger auf dem Rückflug von Kathmandu saß.

01:21:31: Also im Sommer, zwei Wochen nach Louis Todt, wo ich gedacht hab, Alex du bist jetzt einundfünfzig.

01:21:39: Du hast genau zwei Möglichkeiten.

01:21:40: Du kannst den Kopf in den Sand stecken und kannst irgendwie dreißig Jahre verkümmern und scheißjahre vor dir haben oder du kannst es irgendwie anpacken immer mit Luis im Herzen.

01:21:55: Aber ich bin wirklich auch ein offener und neugieriger Mensch, ich denke mir immer mal so ... Ich bin gespannt was noch in meinem Leben

01:22:02: kommt.".

01:22:04: Ja liebe Alex, ich danke dir sehr für dieses berührende und bereichernde Gespräch welches mir bei den Vorbereitungen als Ehefrau eines Kletterers in Bezug auf den möglichen Tod gar nicht so leicht gefallen ist.

01:22:21: Aber jetzt fühle ich mich irgendwie erreleichtert und erfüllt, weil ich bei dir spüre dass die Liebe niemals stirbt.

01:22:31: Unbedingt!

01:22:32: Also der Luis bleibt in meinem Herzen egal was kommt.

01:22:35: er fehlt jeden Tag.

01:22:36: aber ich denke eben auch voll Glück und Dankbarkeit daran das ich ihn hatte.

Über diesen Podcast

In ihrem Podcast widmet sich Tanja Valérien den großen Fragen, Zäsuren und Brüchen des Lebens.

Sie spricht mit spannenden Frauen und Männern zwischen 50 und 100 über deren Wandlungen, die Höhen und Tiefen, Triumphe und Niederlagen– und gerade deshalb mitten im Leben stehen: Desirée Nosbusch, Patricia Riekel, Judith Milberg, Margarita Broich und andere Frauen empfingen Tanja Valérien bei sich zuhause, darüber über ihre Gefühle, Erfahrungen und Gedanken zu sprechen und wie es sich anfühlt, wenn die fruchtbaren Jahre hinter einem liegen. Herausgekommen sind Unterhaltungen, die charmant und schonungslos, emphatisch und tröstlich, aber nie indiskret oder voyeuristisch sind. Intime Gespräche, bei denen man als Zuhörer das Gefühl hat, mit am Tisch zu sitzen, ohne zu stören. Was macht man mit seinem Leben, wenn die Kinder aus dem Haus sind? Wie fühlt es sich an, nie welche bekommen zu haben? Wie wird man gelassen älter, wie verändern sich die Liebe und das Selbstwertgefühl, wie geht man mit dem Gefühl um, unsichtbar zu werden? Und wie schafft man es, das letzte Lebensdrittel zu genießen, sich schön und gebraucht zu fühlen, wenn der Körper erschlafft.

Mit den Männern, wie z.B. Rufus Beck spricht sie über Themen, die sonst gern unter den Tisch fallen oder – zu Unrecht – Frauen vorbehalten sind: Liebe, Schwäche, Unsicherheit, Angst, Kränkung, Einsamkeit. Themen, die berühren und inspirieren. Mit ihrer natürlichen Art schafft Tanja Valérien es, die Menschen in Gespräche zu verwickeln, die in die Tiefe gehen, Trost spenden, nachdenklich und vor allem: Freude machen.

Jeden Monat erscheint mindestens eine neue Folge ihrer Interviews auf Apple Podcast und Spotify.

Tanja Valérien-Glowacz, geb.26.02.1962, arbeitet nach einem Modedesign-Studium in New York lange als Stylistin und Moderedakteurin, bevor sie in München ihre eigene Kreativagentur für Werbung gründet und auch als Designerin tätig ist. Sie lebt mit ihrem Mann, dem Extremsportler Stefan Glowacz, in einer Patchworkfamilie mit fünf Kindern in Oberbayern, und ist die Tochter des berühmten Sportmoderators Harry Valérien, der von 1963 bis 1988 263 mal das Aktuelle Sportstudio im ZDF moderierte.

von und mit Tanja Valérien

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